Morbus Basedow: Symptome, Ursachen und Therapie
Das können alles Anzeichen von Morbus Basedow sein, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Abwehrstoffe des Körpers richten sich gegen deine Schilddrüse und regen sie zur vermehrten Produktion von Hormonen an.
In diesem Artikel erfährst du mehr über Morbus Basedow:
- Was genau bei Morbus Basedow passiert.
- Warum die Krankheit entsteht.
- Welche Rolle Alltag und Ernährung im Umgang mit der Erkrankung spielen können.
- Welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.
1. Was ist Morbus Basedow?
Die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow (auch Autoimmunhyperthyreose, Basedowsche Krankheit, Basedow-Krankheit, Immunogene Hyperthyreose oder Immunthyreopathie vom Typ Basedow genannt) trifft bevorzugt Frauen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.
Der Name der Erkrankung leitet sich von dem Merseburger Arzt Carl von Basedow her, der die Schilddrüsenstörung und ihre wichtigsten Symptome 1840 erstmals beschrieben hat.
Bei dieser Autoimmunkrankheit regen bestimmte Antikörper des körpereigenen Abwehrsystems die Schilddrüse zur unkontrollierten Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen an. Die Folge ist eine sich daraus entwickelnde Schilddrüsenüberfunktion, die mit starken Beschwerden einhergeht.
Ein großer Teil der Patienten entwickelt zusätzlich eine entzündliche Erkrankung der Augenhöhlen (endokrine Orbitopathie). Außerdem kann die Basedowsche Krankheit auch noch das Bindegewebe von Unterschenkeln, Händen und Füßen betreffen.
Die Symptome sind aufgrund der zahlreichen Aufgaben der Schilddrüsenhormone sehr vielfältig. Die Beschwerden können sich sowohl langsam einschleichen als auch sehr abrupt auftreten.
Anhand einer körperlichen Begutachtung und einer Blutuntersuchung kann die Diagnose auf Morbus Basedow gestellt werden. Die weitere Behandlung richtet sich anschließend nach der individuellen Situation und wird fachärztlich geplant.
Auch die betroffenen Körperpartien werden dabei je nach Ausprägung der Beschwerden medizinisch beurteilt und mitbehandelt.
Das Ziel der Behandlung ist es, die Überaktivität der Schilddrüse zu kontrollieren und die Beschwerden medizinisch zu begleiten.
Mit einer rechtzeitig gestellten Diagnose und einem frühen Behandlungsbeginn lassen sich Verlauf und Beschwerden in vielen Fällen gut medizinisch begleiten. Führt die medikamentöse Therapie nicht zum gewünschten Ergebnis, wird der behandelnde Arzt die Möglichkeit einer Operation oder einer Radiojodtherapie in Erwägung ziehen.
2. Morbus Basedow bildlich gesprochen
Die Kontrollstation für hormonelle Funktionen im Gehirn, die Hypophyse, sendet ein Signal an den Hypothalamus, wenn der Körper Energie benötigt. Dieser wiederum sendet das TSH-Signal zur Schilddrüse mit der Information, dass Feuer zum Einheizen benötigt wird.
Die Schilddrüse gibt daraufhin T4-Streichhölzer zum Anzünden frei, die dann in Leber, Magen-Darm und peripherem Gewebe in brennende T3 Streichhölzer gewandelt werden und so für die richtige Aktivität des Stoffwechsels sorgen.
Bei Morbus Basedow greift allerdings das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die auf der Oberfläche der Schilddrüsenzellen gelegenen Rezeptoren für das TSH-Hormon (Thyreotropin) an.
Die Antikörper stimulieren die TSH-Rezeptoren (TSH-Rezeptor-Autoantikörper = TRAK) dazu, vermehrt TSH zu binden. TSH regt wiederum die Schilddrüse dazu an, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zu bilden, mit der Folge, dass es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt.
Durch diese stetigen Angriffe auf die Rezeptoren und somit verstärkter Ausschüttung der Hormone, entsteht eine Überreizung der Schilddrüse, sowie eine Verstärkung vieler Stoffwechselprozesse, die mit der Schilddrüse zusammenhängen.
Dadurch kommt es zu einer deutlichen Überaktivität der Schilddrüse und zu Veränderungen im Stoffwechsel. In einigen Fällen kann sich die Schilddrüse vergrößern, und auch die Augen oder andere Körperbereiche können mitbetroffen sein.
3. Welche Symptome können bei Morbus Basedow entstehen?
Die für Morbus Basedow typischen Symptome sind die der Schilddrüsenüberfunktion fast gleich und treten bei Beginn der Krankheit schleichend nach und nach oder auch sehr stark und abrupt auf.
Die drei Leitsymptome von Morbus Basedow sind:
- Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf, Struma)
- Hervortreten der Augäpfel (Exophthalmus)
- Herzrasen (Tachykardie)
Diese drei Symptome zusammen werden auch „Merseburger Trias“ genannt.
Neben den hervortretenden Augäpfeln kann es im Augenbereich noch zu weiteren Veränderungen wie Lidschwellungen und Bindehautentzündungen kommen. Mediziner sprechen dann von endokriner Orbitopathie. Auch trockene Augen mit Lichtscheu, vermehrtem Tränen, Druck- und/oder Fremdkörpergefühl sind möglich. In schweren Fällen können auch Sehverschlechterung und Doppeltsehen auftreten.
Seltener entwickeln Morbus-Basedow-Patienten Schwellungen im Bereich der Unterschenkel (prätibiales Myxödem), der Hände und Füße (Akropachie).
Bevor es aber oft überhaupt zu einer Untersuchung bei einem Arzt kommt, häufen sich meistens auch die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion wie:
- Erschöpfung, Kraftlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Heißhunger
- gesteigerter Durst
- Stimmungsschwankungen bis hin zur Aggressivität
- Nervosität
- innere Unruhe
- Händezittern
- Schmerzen in den Oberschenkeln
- Schlafprobleme
- erhöhter Blutdruck
- Vermehrtes Schwitzen
- feuchtwarme Haut
- Herzrhythmusstörungen
- Durchfall
- Zyklusveränderungen bei Frauen
- vergrößerte Schilddrüse
Meistens wird erst dann ein Arzt aufgesucht, wenn die Symptome stärker werden, deutlich schwieriger zuzuordnen sind und sie anfangen, die Lebensqualität einzuschränken.
Oft ist dies der Beginn einiger Arztbesuche mit zunächst uneindeutigen Einordnungen und sehr unbefriedigenden Ratschlägen. Meist wird erst anhand eines unstimmigen Blutbildes und darauffolgenden genaueren Untersuchungen die richtige Diagnose gestellt.
Wenn länger bestehendes und nicht klar definierbares Unwohlsein mit unterschiedlichen Symptomen vorliegt, kann es sinnvoll sein, relevante Blutwerte ärztlich abklären zu lassen, zum Beispiel über ein großes Blutbild.
Somit besteht direkt ein Blick auf die wichtigsten Blutwerte und Unstimmigkeiten kann daraufhin genauer nachgegangen werden.
4. Was genau sagt die Diagnose Morbus Basedow aus?
Bei Verdacht auf Morbus Basedow ist es sinnvoll, dies bei einem dafür spezialisierten Arzt, einem Internisten, Nuklearmediziner oder einem Endokrinologen, untersuchen zu lassen. Der Arzt führt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung sowie Begutachtung der Augen, Unterschenkel und Hände.
Im Rahmen der Morbus Basedow-Diagnose wird außerdem die Schilddrüse mittels Ultraschall begutachtet.
Auch wird zur Untersuchung Blut abgenommen, um die Hormonwerte in einem Fachlabor auszuwerten. Beim Blut, genauer gesagt im Serum, werden dann grundsätzlich folgende Werte untersucht:
- TSH (basal): Thyroidea-stimulierendes Hormon – Signalhormone der Hypophyse zur Schilddrüse
- fT3: freies T3 – freie, ungebundene Form des Schilddrüsen-Hormons T3 (Trijodthyronin)
- fT4: freies T4 – freie, ungebundene Form des Schilddrüsen-Hormons T4 (Thyroxin)
- Thyreoidale Peroxidase Ak (TPO Ak): Antikörperwert der vom Immunsystem produzierten Schilddrüsenantikörper
- Thyreotropin-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK): sind vom Körper gegen den TSH-Rezeptor gebildete Antikörper (daher Autoantikörper), die am Thyreotropin-Rezeptor ähnliche Wirkungen entfalten, wie das eigentlich dort bindende Hormon Thyreotropin (TSH).
Bei einer gesunden und gut arbeitenden Schilddrüse sollten die Werte in folgenden Bereichen liegen (Unterschiede in der Maßeinheit können Labor-abhängig abweichen):
- TSH: 0,27 - 4,2 µlU/ml
- fT3: 3 ng/l - 4,2 ng/l
- fT4: 0,73-1,95 ng/dl (9,4-25 pmol/l)
- Thyreoidale Peroxidase Ak (TPO Ak): >60.0 U/ml
- TRAK-Wert: < 1,8 IU/l
Ein erniedrigter TSH-Wert und vor allem ein erhöhter TRAK-Wert bestätigen den Verdacht auf Morbus Basedow. Gleichzeitig liegen dann auch die Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut im oberen Normbereich bzw. sind erhöht.
Eine etwaige Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), die sich manchmal mithilfe eines einfachen Spiegeltests selbst erkennen lässt, liefert erste Hinweise auf eine Schilddrüsenvergrößerung. Sicher kann sie jedoch nur von einem Spezialisten (z.B. Internisten, Endokrinologen) ertastet und beurteilt werden. Eine orientierende Einteilung der Vergrößerung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen. Die Einteilung reicht von Grad 0 (= normal große Schilddrüse) über Grad I (= tastbare, nicht sichtbare Vergrößerung), Grad II (tastbare und sichtbare Schilddrüse) bis zum Grad III (sehr große, nicht zu übersehende Schilddrüse).
Per Ultraschalluntersuchung lässt sich das Schilddrüsengewebe genauer beurteilen.
Achtung: Im Einzelfall können die Testergebnisse beispielsweise durch die Einnahme von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure verfälscht werden. Auch höher dosierte und längerfristig verabreichte Kortikoide („Kortison“) können zu einer TSH-Senkung führen und sollten daher beachtet werden.
5. Wo können die Ursachen für Morbus Basedow liegen?
Morbus Basedow tritt meistens familiär gehäuft auf. Bestimmte Genveränderungen werden deshalb als mögliche Ursache der Krankheitsentstehung vermutet.
Ob und wann die Basedowsche Krankheit ausbricht, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Manchmal folgt der Krankheitsausbruch auf eine Virusinfektion, eine hormonelle Umstellung oder auch eine schwere psychische Belastung. In anderen Fällen erkranken Patienten aus völligem Wohlbefinden heraus an Morbus Basedow.
Morbus Basedow tritt außerdem häufiger zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, wie beispielsweise Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennieren), Typ-1-Diabetes oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, Einheimische Sprue).
6. Wie kann eine passende Therapie bei Morbus Basedow gestaltet werden?
Besteht die Diagnose Morbus Basedow, erhalten die Patienten zunächst etwa ein Jahr lang sogenannte Thyreostatika, also Medikamente zur Hemmung der Hormonproduktion in der Schilddrüse (wie Thiamazol oder Carbimazol). Am Anfang werden zusätzlich Betablocker zur Linderung der Hyperthyreose-Symptome (wie Herzrasen) gegeben.
Das erste Ziel der Behandlung ist die Senkung des Hormonspiegels und somit eine Regulierung des Stoffwechsels und der damit verbundenen Symptome.
Einige hemmen die Jodaufnahme in die Zellen der Schilddrüse und dadurch den Einbau von Jod bei der Hormonbildung. Andere reduzieren die Bildung von Schilddrüsenhormonen oder verringern die Ausschüttung der Hormone in das Blut. Die bereits im Körper befindlichen Hormone werden nicht beeinflusst. Die Senkung des Hormonspiegels erfolgt über den natürlichen Abbau und kann somit eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.
Wenn hingegen nach 1- bis 1,5-jähriger Anwendung von Thyreostatika die aus dem Morbus Basedow folgende Schilddrüsenüberfunktion immer noch besteht oder nach einer zunächst auftretenden Besserung erneut aufflackert, sollte die Schilddrüsenfunktion dauerhaft ausgeschaltet werden. Dies geschieht entweder mittels Radiojodtherapie oder durch operative Entfernung der Schilddrüse (des ganzen Organs oder Teilen davon). Die Patienten müssen im Anschluss lebenslang die fehlenden Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen. Das geht aber mit weniger Komplikationen und Nebenwirkungen einher, als es bei einer jahrelangen oder dauerhaften Einnahme von Thyreostatika der Fall wäre.
Bei Morbus Basedow mit endokriner Orbitopathie kann Kortison gegeben werden. In leichten bis mittelschweren Fällen kommen je nach ärztlicher Einschätzung weitere begleitende Maßnahmen infrage. Trockene Augen lassen sich mit befeuchtenden Augentropfen, Salben oder Gelen behandeln.
Kommt es als Folge der Schilddrüsenüberfunktion zu Symptomen seitens des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. zu hoher Pulsschlag oder Bluthochdruck) kann die zusätzliche Behandlung mit bestimmten dämpfenden Medikamenten (z.B. Beta-Blockern) erforderlich sein.
7. Radiojodtherapie vs. Schilddrüsenoperation
Diese beiden Methoden kommen auch dann in Betracht, wenn es nach einer zunächst erfolgreich erscheinenden medikamentösen Behandlung zu einem Wiederauftreten der Beschwerden kommt – eine Entwicklung, die immerhin in bis zu 40 Prozent der Fälle zu erwarten ist.
Als sogenannte definitive Therapie wird die Beseitigung des krankhaft zu viel Schilddrüsenhormon produzierenden Gewebes (z.B. durch eine Radiojodtherapie oder eine Schilddrüsenoperation) bezeichnet. Beide Verfahren haben spezielle Vor- und Nachteile, die im Einzelfall gegeneinander abgewogen und mit dem Patienten besprochen werden müssen.
Wird die Schilddrüse operativ entfernt, hat dies zur Folge, dass die Schilddrüsenfunktion dauerhaft ausgeschaltet wird. Das heißt, die Schilddrüse ist nicht mehr in der Lage, Hormone zu produzieren, und dies muss nun lebenslang durch die tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen ersetzt werden.
Tipps zur Einnahme der Tablette
Die Einnahme sollte immer nach ärztlicher Anweisung und entsprechend den Hinweisen zum verordneten Medikament erfolgen.
Tipps zur Linderung der Augensymptome
Am besten mit erhöhtem Oberkörper schlafen. Liegt der Kopf tief, verstärken sich die periorbitalen Ödeme, wie Ärzte die charakteristischen Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Augen nennen. In dieser Hinsicht ist am wichtigsten, nicht zu rauchen. Um keine endokrine Orbitopathie zu bekommen beziehungsweise sie nicht weiter zu verschlimmern, sollte jeder Basedow-Patient mit dem Rauchen aufhören. Auch sollte man immer beachten, dass viel Koffein sowie verschiedene Belastungsfaktoren im Alltag individuell als unangenehm empfunden werden können.
8. Nahrungsmittel, die unterstützend wirken
Gemüse: Iss mindestens zwei bis drei Portionen in allen möglichen Variationen am Tag. Gemüse liefert Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe und ist ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.
Eiweiß: Iss am besten drei Portionen Eiweiß am Tag. Eiweiß ist ein wichtiger Baustein der Ernährung. Gute Eiweißquellen sind mageres Fleisch (Rind und Kalbfleisch), Geflügel in Maßen (kann einen erhöhten Jodgehalt aufweisen), Innereien, Milchprodukte und Käse (Bioprodukte enthalten weniger Jod), Süßwasserfische (Forelle, Karpfen) oder eiweißreiche Zwischenmahlzeiten. Als vegane Proteinquelle eignen sich auch in Maßen möglichst naturbelassene Produkte aus Soja (Tofu natur/ geräuchert, Tempeh, Sojajoghurt).
Komplexe Kohlenhydrate: Lebensmittel wie Vollkornreis, Vollkornnudeln oder Vollkornbrot versorgen den Körper langanhaltend mit Energie und liefern Ballaststoffe und Mineralien.
Beeren und zuckerarmes Obst: Sie sind reich an Vitaminen und passen gut in eine ausgewogene Ernährung.
Wasser: Viel stilles Wasser (ohne Jod) und ungesüßte Kräutertees trinken.
Kokosöl: Kann in der Küche oder zur Körperpflege verwendet werden.
Goitrogene Lebensmittel: Kohlarten wie Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl oder Rosenkohl, aber auch Radieschen, Kresse, Senf, Meerrettich und Hirse enthalten bestimmte Stoffe, die die Jodaufnahme im Körper beeinflussen können. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sollte die Ernährung jedoch nicht in Eigenregie therapeutisch ausgerichtet werden. Diese Lebensmittel können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Sie sind vor allem roh und in größeren Mengen aktiver. Sobald du das Gemüse kochst, dünstest oder backst, wird dieser Effekt deutlich reduziert. Wenn du dir unsicher bist, wo deine Werte aktuell stehen und ob die Lebensmittel geeignet sind, sprich am besten kurz mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber.
9. Nahrungsmittel, die kontraproduktiv wirken
Stark glutenhaltige Produkte: Nahrungsmittel wie Weizen oder Weißmehlprodukte liefern oft nur wenig Ballaststoffe und Mikronährstoffe und passen deshalb meist weniger gut in eine ausgewogene Ernährung.
Jod würde die ohnehin schon gesteigerte Produktion der Schilddrüsenhormone nur noch mehr fördern.
Seefisch, Meeresfrüchte, Algen: Sollten aufgrund der enthaltenen Mengen an Jod nur in geringen Mengen verzehrt werden.
Zucker: Fördert starke Blutzuckerschwankungen und liefert keinen nennenswerten Mehrwert für eine ausgewogene Ernährung.
Stark verarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen: Liefern oft nur wenig Nährstoffdichte. Hierzu zählen auch stark verarbeitete Fleischersatzprodukte, die häufig minderwertige Eiweißquellen und ungünstige Zusatzstoffe aufweisen.
Koffeinhaltige Getränke: Kaffee, Cola oder Energydrinks können den ohnehin schon erhöhten Stoffwechsel zusätzlich belasten und werden individuell oft unterschiedlich gut vertragen.
Milchprodukte: jegliche Milch, Joghurt, Quark, Käse, Frischkäse
Alkohol: Kann im Alltag zusätzlich belasten und wird oft individuell unterschiedlich vertragen.
Jodhaltiges Mineralwasser: Keine jodhaltigen Mineralwässer trinken.
Rauchen: Zahlreiche Studien zeigen, dass Rauchen eine endokrine Orbitopathie verschlimmern kann beziehungsweise die Behandlung der Augensymptome erschweren kann.
Als Untersuchungsvorbereitung vor einer Radiojodtherapie und einer Ganzkörperszintigrafie ist eine wesentliche Jodkarenz einzuhalten. Hier sind zusätzlich Jodsalz (auch in verarbeiteten Lebensmitteln) und Milchprodukte in großen Mengen tabu.
10. Empfohlene Nahrungsergänzungsmittel
Bei Morbus Basedow sollten Nahrungsergänzungsmittel nicht eigenständig als Teil der Behandlung ausgewählt werden. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, sollte immer individuell ärztlich abgeklärt werden.
Auch bei allgemein erhältlichen Produkten gilt: Die Auswahl sollte sich nicht an pauschalen Empfehlungen orientieren, sondern an der persönlichen medizinischen Situation, an Laborwerten und an der laufenden Behandlung.
Im Mittelpunkt stehen deshalb eine fachärztliche Begleitung, die Bewertung der Blutwerte und eine insgesamt gut abgestimmte Therapie.
Ernährungsbezogene Fragen lassen sich ergänzend mit dem behandelnden Team besprechen. Dazu gehören auch Themen wie Ballaststoffe, Lebensmittel, die resistente Stärke enthalten, und die allgemeine Verträglichkeit im Alltag.
11. Empfehlungen für Sport, Bewegung und Entspannung
Da bei Morbus Basedow der Stoffwechsel ohnehin erhöht ist und das Immunsystem eine Überreaktion aufweist, ist es besonders wichtig, den Körper nicht durch Sport zu überlasten. Es ist ein Krafttraining in Maßen zu empfehlen und dieses sollte mit Beweglichkeits- und Entspannungsübungen kombiniert werden.
Es ist wichtig, den Körper nicht noch zusätzlich durch ein Kalorien-zehrendes Ausdauersport- und Bewegungsprogramm unnötig in Stress zu versetzen oder gar zu überfordern. Dem Körper muss immer genug Zeit gegeben werden, sich ausreichend zu regenerieren.
Um körperlich aktiv zu bleiben, kann sich ein entsprechendes Ganzkörperkrafttraining in angepasster Intensität für zu Hause oder an Maschinen im Fitnessstudio eignen.
Dem beanspruchten Muskel muss dann genügend Zeit für den Aufbau zwischen den Trainingseinheiten gegeben werden. Zwischen den Krafteinheiten können gezielte Beweglichkeits- und Entspannungseinheiten den gesamten Körper sehr positiv begleiten.
Durch diese ruhigeren Einheiten kann sich das allgemeine Belastungsempfinden im Alltag oft verbessern. Ein solches Programm muss und soll nicht gleich mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Es sollte guttun und vor allem sollte es auch Spaß machen.
So ein Programm kann sich wie folgt aufbauen: 1-2 Tage pro Woche eine nicht zu lange, aber intensive Krafttrainingseinheit zur Kräftigung der Muskulatur (z.B. eine Übung mit 3 Sätzen mit max. 8 Wiederholungen je Satz), egal ob zu Hause oder im Fitnessstudio. Danach sollte der Körper zur besseren Regeneration mit einer ausgewogenen Mahlzeit versorgt werden.
Bestenfalls sollte täglich Bewegung an frischer Luft stattfinden und natürlich grundsätzlich auch auf lockere Bewegung im gesamten Alltag geachtet werden. Hier reichen schon 10-15 Minuten Spazierengehen in der Pause oder nach dem Abendessen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder im Büro beim Telefonieren auf- und abzulaufen. Das entspannt den Körper und kann helfen, Belastung besser abzubauen.
4-5 Tage pro Woche Entspannungs- und Beweglichkeitsübungen einbauen. Diese können in kurze Sequenzen von 10 bis 15 Minuten eingebaut werden, wie morgens oder abends eine kurze Atemübung oder Muskelentspannungsübung oder sich ganz in Ruhe mit einer Tasse Tee auf den Lieblingsplatz setzen und einfach mal nichts tun, einige Seiten in einem Buch lesen, ein Hörbuch hören oder sich ein Bad gönnen.
Für längere Entspannungs- oder Beweglichkeitssequenzen von 20 bis 60 Minuten eignen sich Yoga oder Pilates sehr gut. Diese Kombination von Bewegung und Entspannung kann dabei helfen, die Muskulatur beweglich zu halten und Erholungsphasen fest in den Alltag zu integrieren.
12. Was für eine Prognose kann ich bei Morbus Basedow erwarten?
Wird Morbus Basedow in einem möglichst frühen Stadium erkannt, bestehen oft gute Möglichkeiten, die Erkrankung medizinisch zu behandeln und den Verlauf zu kontrollieren.
Bei etwa der Hälfte der Patienten ist nach etwa einjähriger Thyreostatika-Gabe keine weitere medikamentöse Behandlung mehr notwendig. Doch auch mit einem operativen Eingriff oder der kompletten Entfernung der Schilddrüse lässt sich die Erkrankung langfristig medizinisch begleiten.
Besonders zu Beginn der Therapie kann sich der Gesundheitszustand im Verlauf der Behandlung verändern, etwa durch eine Stabilisierung des Kreislaufs sowie eine Besserung der Unruhe und der Schlafprobleme.
Kurz gesagt: Viele Betroffene erleben im Verlauf der Behandlung, dass die starke innere Anspannung nachlassen kann.
Wie schnell und in welchem Ausmaß sich der Verlauf entwickelt, ist ganz individuell. Mit Beginn der Behandlung wird sich der Stoffwechsel nach und nach verändern. Auch Alltag, Stressbelastung und allgemeine Lebensgewohnheiten können dabei eine Rolle spielen.
Natürlich spielen auch Einflussfaktoren wie Alter, anderweitige Erkrankungen und auch äußerliche Einflussfaktoren wie Stress oder Umweltbelastungen eine Rolle. Umso wichtiger ist es, auf sich und die eigene Gesundheit achtsam zu achten.
Besonders auch die Punkte Ernährung, Bewegung und Entspannung sollten stets im Auge behalten werden, denn sie sind wichtige Bestandteile des Alltags. Faktoren wie stark verarbeitete Lebensmittel, Stress oder auch zu wenig Schlaf sollten möglichst vermieden werden, da sie den Alltag zusätzlich belasten können. Ein besonderes Augenmerk sollte bei Morbus Basedow auf Ruhe und Entspannung gelegt werden, um dem Körper eine bestmögliche Erholung zu ermöglichen.
Schenke dir und deinem Körper mehr Achtsamkeit und lerne, seine Signale zu verstehen.
Dann wirst du oft früh genug merken, wenn dir etwas nicht guttut und du kannst rechtzeitig reagieren. So kannst du besser einschätzen, was dir im Alltag hilft und was du mit deinem medizinischen Team besprechen solltest.